Synology NAS einrichten: Was vor dem ersten Start zählt

Wer ein Synology NAS auspackt, steht meist vor einem leeren Gehäuse. Die Festplatten sind in der Regel nicht enthalten, und genau hier passieren die ersten Fehlkäufe. Für den Dauerbetrieb eignen sich NAS-Festplatten, die für den 24/7-Betrieb und das Zusammenspiel mehrerer Laufwerke in einem Gehäuse ausgelegt sind. Normale Desktop-Platten laufen anfangs auch, sind aber auf Dauer weniger geeignet.

Bevor du die erste Platte einbaust, lohnt ein Blick in die Kompatibilitätsliste des Herstellers. Dort stehen die getesteten Laufwerkmodelle für jedes Gerät. Zusätzlich solltest du bei einem Modell mit zwei oder mehr Schächten Platten gleicher Kapazität kaufen. Das System nutzt bei unterschiedlich großen Laufwerken in klassischen RAID-Verbünden nur die Größe der kleinsten Platte. Ideal ist zudem, wenn die Laufwerke nicht alle aus derselben Produktionscharge stammen, damit nicht mehrere gleichzeitig altersbedingt ausfallen.

Der Stromanschluss verdient ebenfalls Aufmerksamkeit. Ein NAS ist kein Gerät, das man einfach per Netzschalter abwürgt. Eine USV für das NAS schützt vor Datenverlust bei Stromausfall und lässt sich in DSM so konfigurieren, dass das Gerät bei Akkumangel sauber herunterfährt. Bei Geräten ohne Hot-Swap-Schächte gehört das Einsetzen der Platten übrigens immer in den ausgeschalteten Zustand.

Die Ersteinrichtung mit DSM Schritt für Schritt

Netzwerk und Installation

Verbinde das NAS per Netzwerkkabel direkt mit dem Router, nicht über WLAN-Repeater oder Powerline-Adapter. Mit einem Netzwerkkabel Cat 6 bist du bei Gigabit-Anschlüssen sicher aufgestellt. Nach dem Einschalten findest du das Gerät über die Suchfunktion des Herstellers im Browser oder über die zugehörige Desktop-Software. Das Betriebssystem DSM wird beim ersten Start über das Netzwerk installiert, das dauert einige Minuten. In dieser Zeit das Gerät nicht ausschalten.

Das richtige RAID-Verfahren wählen

Bei der Speicherkonfiguration musst du entscheiden, wie die Platten zusammenarbeiten. Bei zwei Schächten bietet sich RAID 1 an: Beide Platten halten dieselben Daten, fällt eine aus, läuft das System weiter. Wer mehr Kapazität will und mehrere Schächte hat, kann mit RAID 5 arbeiten. Der Hersteller bietet außerdem das eigene Verfahren Synology Hybrid RAID (SHR) an, das auch bei Platten unterschiedlicher Größe mehr Kapazität herausholt. Wichtig ist das Dateisystem: Btrfs bringt Snapshots und Prüfsummen mit, ext4 ist auf manchen Einsteigermodellen die einzige Option.

Typische Anfängerfehler beim Synology NAS

Der häufigste und gefährlichste Irrtum lautet: RAID ist ein Backup. Das stimmt nicht. RAID schützt vor dem Ausfall einer Platte, aber nicht vor versehentlichem Löschen, Ransomware, Blitzschlag oder Diebstahl. Wer nur auf RAID vertraut, hat keine Datensicherung. Erkennen kannst du den Fehler an einem einfachen Test: Wenn du fragst, was passiert, wenn das ganze Gerät verschwindet, und keine Antwort hast, fehlt dir ein zweites Ziel. Behoben wird das mit einer externen Festplatte für Backups am USB-Port, auf die Hyper Backup regelmäßig sichert, oder einem Cloud-Ziel. Auch die 3-2-1-Regel hilft: drei Kopien, zwei Medien, eine davon außer Haus.

Der zweite Klassiker betrifft die Erreichbarkeit von außen. Viele öffnen aus Bequemlichkeit Ports im Router und machen das NAS direkt aus dem Internet erreichbar. Das ist ein beliebtes Ziel für automatisierte Angriffe. Besser sind die QuickConnect-Funktion oder ein VPN-Zugang über den Router. Außerdem solltest du den Standard-Benutzer „admin“ deaktivieren, ein eigenes Konto mit Administratorrechten anlegen und die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren. Ob dein Gerät ungewollt im Netz sichtbar ist, prüfst du in der Portweiterleitung deines Routers: Jeder dort eingetragene Eintrag, den du nicht selbst bewusst angelegt hast, gehört geprüft.

Ein dritter Fehler ist das Ignorieren der Warnmeldungen. DSM überwacht die Laufwerke per S.M.A.R.T. und meldet Auffälligkeiten wie neu zugewiesene Sektoren. Wer die Benachrichtigung per E-Mail nicht einrichtet, erfährt oft erst vom Problem, wenn die zweite Platte ebenfalls schwächelt. Aktiviere deshalb unter den Benachrichtigungen den E-Mail-Versand und plane regelmäßige Datenbereinigungen und S.M.A.R.T.-Tests ein. Bei einem Hinweis auf eine defekte Platte tauscht du sie umgehend aus und startest die Reparatur des Speicherpools.

Ordnerstruktur, Rechte und Snapshots sinnvoll planen

Wer im Haushalt mehrere Personen versorgt, sollte vor dem Hochladen der Daten die Freigabeordner planen. Ein Ordner für gemeinsame Fotos, je ein privater Ordner pro Person und einer für Dokumente reichen für den Anfang. Rechte vergibst du pro Benutzer oder Gruppe, nicht per Gießkanne an „alle“. Ein häufiger Stolperstein ist, dass der Zugriff über SMB funktioniert, aber der Windows-Explorer das Laufwerk nach einem Passwortwechsel nicht mehr verbindet. Dann hilft es, die gespeicherten Anmeldedaten in der Windows-Anmeldeinformationsverwaltung zu löschen und neu zu verbinden.

Bei Geräten mit Btrfs-Dateisystem sind Snapshots ein praktisches Werkzeug. Sie halten den Zustand eines Ordners zu bestimmten Zeitpunkten fest und lassen sich bei versehentlichem Löschen oder Verschlüsselung durch Schadsoftware zurückrollen. Ein täglicher Snapshot mit begrenzter Aufbewahrungsdauer kostet wenig Speicher. Auch hier gilt: Snapshots liegen auf demselben Gerät und ersetzen kein externes Backup.

Welches Synology NAS passt zu welchem Einsatz?

Die Modellwahl richtet sich nach Schachtzahl und Einsatzzweck. Für reine Datenablage, Backups der Rechner und Fotosicherung genügt ein Modell mit zwei Schächten. Wer zusätzlich Docker-Container betreiben, Videos transkodieren oder mehrere Nutzer gleichzeitig bedienen will, braucht mehr Arbeitsspeicher und einen kräftigeren Prozessor. Nachrüsten lässt sich bei manchen Geräten der RAM, bei vielen Einsteigermodellen aber nicht. Prüfe das vor dem Kauf im Datenblatt. Wer den Speicher später erweitern möchte, plant lieber einen Schacht mehr ein, als er heute braucht, denn eine Erweiterung durch Tausch auf größere Platten ist mühsamer.

Für den Netzwerkdurchsatz zählt neben dem Gerät auch der Rest der Kette: Ein Gigabit-Anschluss liefert in der Praxis rund 110 MB/s, mehr geben Kabel und Switch nicht her. Wer große Videodateien bearbeitet, schaut nach Modellen mit 2,5-Gigabit-Anschluss und einem passenden 2,5G-Switch. Wer das NAS in einem Regal oder Schrank betreibt, sollte außerdem auf Belüftung achten: Zu enge Nischen führen zu höheren Plattentemperaturen und kürzerer Lebensdauer. Ein Betrieb bei Zimmertemperatur mit freien Lüftungsflächen ist sinnvoll.

Zuletzt zahlt sich eine Wartungsroutine aus. Prüfe regelmäßig, ob DSM-Updates vorliegen, und installiere sie zeitnah, aber nicht unmittelbar vor wichtigen Abgaben. Teste mindestens einmal im Jahr die Wiederherstellung einer Datei aus dem Backup. Ein Backup, das du nie zurückgespielt hast, ist nur eine Annahme.